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Barrierefreies Reservationstool für blindekuh

Corinne Ioannidis

Corinne Ioannidis

Beratung & Projektleitung Content & Design

Barrierefreies Reservationstool für blindekuh

Für die Restaurants blindekuh in Zürich und Basel durften wir ein Reservationstool programmieren, das konsequent aus der Perspektive blinder Menschen gedacht ist. Tischreservationen können erfasst, verwaltet und über Screenreader vollständig angehört werden. Klar strukturiert, logisch aufgebaut und ohne visuelle Spielereien, dafür aber mit maximaler Funktionalität.

Wenn Design nicht gesehen werden muss, sondern funktionieren soll

Das Design dieser Applikation ist nicht so toll?
Ganz bewusst. Denn diese Anwendung wird von blinden und sehenden Menschen bedient und hat den Fokus auf komplette Barrierefreiheit.

Für die Restaurants blindekuh in Zürich und Basel durften wir ein digitales Reservationstool entwickeln, das eine klare Haltung hat: Barrierefreiheit ist kein Zusatzfeature, sondern der Kern der Lösung.

Ein Restaurant, das Dunkelheit erlebbar macht

Die blindekuh ist mehr als ein Restaurant. Wer hier isst, begibt sich in vollständige Dunkelheit und erlebt, wie stark wir uns im Alltag auf unser Sehvermögen verlassen. Bedient wird man von blinden Mitarbeitenden, die hier ihre Stärke voll ausspielen.

Was im Gastraum selbstverständlich ist, muss auch hinter den Kulissen funktionieren. Genau hier setzte unser Projekt an.

Von einer gewachsenen Lösung zur zukunftsfähigen Anwendung

Ausgangslage war eine in die Jahre gekommene Accesslösung, die über lange Zeit gute Dienste geleistet hatte. Mit der steigenden Anzahl an Reservationen und Daten stiess sie jedoch zunehmend an ihre Grenzen. Die neue Anwendung ersetzt diese Lösung vollständig. Sie ist stabil, leistungsfähig und so aufgebaut, dass sie auch bei grossen Datenmengen zuverlässig funktioniert.

Digitale Prozesse: oft eine unsichtbare Barriere

Viele Reservationstools sind visuell optimiert: Farben, Icons, komplexe Interfaces. Für sehende Menschen bequem, aber für blinde Menschen oft ein Hindernis.

Unser Ziel war deshalb klar: Eine Anwendung, die nicht angeschaut, sondern gehört und verstanden wird. Eine Software, die logisch aufgebaut ist, sauber strukturiert und vollständig mit Screenreadern funktioniert.

Effizienz statt Perfektion

Ein wichtiger Lernpunkt aus dem Projekt: Perfekte Barrierefreiheit ist nicht automatisch effizient.

Statt jede theoretisch mögliche Sonderlösung abzubilden, lag der Fokus auf klaren Abläufen, kurzen Wegen und einer schnellen Bedienung. Genau diese Effizienz hilft blinden Mitarbeitenden, zügiger zu arbeiten und kommt gleichzeitig auch sehenden Nutzenden zugute.

Denn Effizienz ist inklusiv.

Entwickelt aus der Perspektive der Nutzenden

Das Reservationstool wird von blinden und sehenden Mitarbeitenden betreut. Tischreservationen können selbstständig erfasst, angepasst und abgehört werden: Ganz ohne Hilfe, Umwege oder Abhängigkeiten.

Das Design folgt der Funktion: Klare Strukturen, eindeutige Beschriftungen, keine visuellen Spielereien. Nicht schön im klassischen Sinn, aber dafür wirkungsvoll.

Denn gutes Design zeigt sich nicht immer im Aussehen, sondern im Nutzen.

Was Blinden hilft, hilft auch Sehenden

Ein spannender Nebeneffekt: Die Optimierungen für blinde Menschen machen die Anwendung für alle effizienter.

Eine reduzierte Oberfläche, logische Tab-Reihenfolgen und konsequente Tastaturbedienung beschleunigen auch den Arbeitsalltag sehender Mitarbeitender. Weniger Ablenkung, mehr Fokus, schnellere Abläufe.

Barrierefreiheit ist hier kein Spezialfall, sondern der bessere Standard.

Unabhängig, sicher und lokal

Ein weiterer bewusster Entscheid: Die Anwendung läuft auf einem eigenen Server. Es gibt keine Abhängigkeit von ausländischen Drittanbietertools oder unnötigen Schnittstellen.

Das bedeutet:

  • volle Datenhoheit
  • hohe Verlässlichkeit
  • langfristige Stabilität

Und vor allem: eine Lösung, die zur Haltung der Blinden Kuh passt.

Gleichstellung ist kein Nice-to-have

Barrierefreiheit wird oft als Zusatz gedacht. Als Option. Als Kompromiss.

Wir sehen das anders.

Dank unserer Applikation sind blinde und sehende Menschen im digitalen Arbeitsalltag gleichgestellt. Nicht theoretisch, sondern ganz praktisch.

Genau solche Projekte zeigen, was möglich ist, wenn Technologie nicht nur effizient, sondern auch verantwortungsvoll eingesetzt wird.

Unser Fazit

Dieses Projekt erinnert uns daran, warum wir tun, was wir tun: Lösungen entwickeln, die Menschen stärken und Teilhabe ermöglichen. Lösungen, die nicht ausschliessen, sondern einbeziehen.

Oder kurz gesagt:
Manchmal ist das beste Design jenes, das man gar nicht sehen muss.

Du möchtest mehr über barrierefreie digitale Lösungen erfahren? Dann melde dich bei mir, ich denke gerne mit!